III. Hammer

bei Mägdesprung im Selketal

 

So viel Geschichte kann man am III. Hammer - dem ehemaligen III. Friedrichshammer erleben.

 

Ab 1769 entstanden als Erweiterung der „Hütte unterm Mägdesprung“ talwärts 4 Hammerwerke mit insgesamt 3 Frischherden, 2 Schmieden und einer Schleiferei - davon ab 1780 im III. Friedrichshammer ein Blauofen (Vorgänger des kleinen Harzer Hochofens), 2 Jahre später ein Frischfeuer (zur Stahlbereitung) und 1785 ein sog. Sensenhammer (eben zur Herstellung von Sensen)

Mehr als 50 Jahre erlebt die Hütte so ihre Blütezeit - nicht zuletzt durch ihren Hüttendirektor Johann Ludwig CARL ZINCKEN und ihren Maschinen- und Hüttenmeister CARL BISCHOF, der 1856 den Verein Deutscher Ingenieure in Alexisbad mitbegründet.

 

Nach 1827 entsteht das untere von 2 baugleichen Häusern des III. Hammers in Schieferstein-Legetechnik mit Schmuckfries aus rotem Klinkerstein. Es dient 8 Arbeiterfamilien von Hütte und Carlswerk als seinerzeit sicherlich

weit und breit bestes Zuhause. Jede Wohnung hatte einen zentralen Holzofen und es gab für damalige Verhältnisse genug Schlafstätten für viele Kinder. Vier Wohnungen im Erdgeschoss hatten Kellerräume, die man sich schon mal

mit der Nachbarfamilie teilte. Jede Partei hatte in insgesamt 2 Toilettenhäusern ihre eigene Toilette auf dem Hof, ihren kleinen Stall und pro Haushälfte eine Waschküche. Vor dem Haus befanden sich Lauben und Platz für ein wenig "eigene Ernte".

 

An der engsten Stelle des Selketals ca. 50m weiter ins Tal hinein befindet sich noch heute die hölzerne "Lampenbrücke", die Verbindung über die Selke hoch nach Harzgerode.

 

Den Weg hoch zum Dritten Hammer am unteren Haus Nr. 29 vorbei weiter folgend, erreicht man den ab 1830 errichteten - heute historischen Friedhof von Mägdesprung. Dort erinnert ein Eisenepitaph auf der der Eingangspforte gegenüberliegenden Schiefersteinmauer an den Rettertod

mehrerer Hüttenarbeiter.

Zwei im 19. Jahrhundert in Mägdesprung gegossene Eisenkreuze rechts des kleinen Glockenstuhls bedürfen dringend der Restauration, um ihre Inschrift wieder lesbar zu machen.

 

Gut 100 Jahre arbeitet das Hammerwerk am III. Hammer bis es - wie am IV. Hammer auch - stillgelegt wird, weil die Frischfeuer "einen die Kosten erhöhenden neuen Schmelzproszess" erfordern.

 

1914 stellt das Carlswerk den Bauantrag, auf der Erhöhung südöstlich des Friedhofes auf eigene Rechnung einen Glockenstuhl errichten zu dürfen, um bei Begräbnissen entsprechend zu läuten. Erst 1913 entsteht auf dem historischen Friedhof ein kleines Gebäude, das bis zu seiner Weihung zur Pigerkapelle 2006 eher Abstellraum war denn Kapelle . Ein Jahr später 2007 errichtet der gleiche Spender - ein ehemaliger Mägdesprunger - noch einen dem alten Glockenstuhl sehr ähnlichen wenige Meter neben der Kapelle.

Jeden Sonntag wecken drei "freiwillige Glöckner" Bewohner ihren Dritten Hammer.

2018 entdecken die Eigentümer der Liegenschaft zum Haus 29 das Fundament des ehemaligen Glockenstuhls und sichern es.

 

Das "Reihenhaus" an der alten Kreisstraße geht bereits auf das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts zurück - hier befand sich auch eine Schmiede. Hinter dem direkt anschließenden Parkplatz befand sich bis in die 1970er Jahre hinein ein ebenfalls in Schiefergestein ausgeführtes Gebäude für 4 Familien. Es beherbergte u.a. den Schuster im Ort Mägdesprung.

Dort, wo heute die Straße ihren "Knick" hat, verlief einst die Selke. Diese wurde mit "scharfer Kurve" auf ihren heutigen Verlauf umgelenkt. Die Auflager eines Wasserrades sind heute noch erkennbar. Der befestigte Selkestieg auf der Südseite der Selke diente dem "Wehrmeister zu Pferd", um für den ca. 4 km langen Verlauf der Selke zwischen I. und IV. Hammer hinsichtlich der täglich benötigten Wasserkraft möglichst kurzfristig die richtige Entscheidung fällen zu können.

 

Um 1870 entsteht weiter bergauf am Dritten Hammer ein zweites Gebäude für weitere 8 Arbeiterfamilien.

Die Wasserversorgung stellte bis 2012 eine kleine Quelle im darüber liegenden Wald sicher. Heute unterhält der gesamte III. Hammer eine Trinkwassergemeinschaft mit einem über 70m tiefen Brunnen.

Das untere Arbeiterhaus beherbergt heute ein kleines Café und bis zu vier Ferienwohnungen mit Blick auf die umliegenden Berge, u.a. der sog. Hirschklippe.

Am III. Hammer öffnet sich das Selketal bevor es sich an engster Stelle s-förmig weiter in Richtung Meisdorf erstreckt.

 

    

Quellen:

- Die Harzer Eisenhütte unterm Mägdesprung v. Matthias Reichmann 

- Stadtarchiv Harzgerode

- Wikipedia zu Mägdesprung